Kino, Kino, Kino

Das Kino öffnet wieder seine Pforten! Dieses Jahr treten wir nicht in den Festsaal hinein, sondern hinaus auf die Terrasse des Gasthofs, um bei Einbruch der Dunkelheit das wunderbare Programm der Saison im Freien zu genießen. Sollte wider Erwarten schlechtes Wetter sein, zeigen wir die Filme im Restaurant.

 

Selbstkritik eines bürgerlichen Hundes

Ein bürgerlicher Windhund gesteht, wie er vom Filmemacher zum Vierbeiner wurde: Weil er gerade keine Förderung bekommt, sieht JULIAN sich gezwungen, einen Job als Erntehelfer anzunehmen. Als er der jungen Kanadierin CAMILLE weismacht, es handele sich dabei um die Recherche für einen kommunistischen Märchenfilm, in dem sie die Hauptrolle spielen soll, will sie ihn begleiten und Julian spinnt romantische Fantasien. So landen die beiden in der trügerischen Idylle einer ausbeuterischen Apfelplantage. Während Julian unter der körperlichen Arbeit leidet und sich vor den merkwürdigen Zimmergenossen in den Containerbaracken fürchtet, stürzt sich Camille enthusiastisch in die vermeintliche Recherche und freundet sich mit HONG und SANCHO an, zwei wundergläubige Proletarier auf der Suche nach dem Glück. Für Julian wird es zunehmend schwieriger, den kommunistischen Filmemacher zu performen, außerdem kommt ihm ein Vorzeigearbeiter mit amerikanischen Träumen in die Quere, ein stummer Mönch mit magischen Kräften und einem Sprung in der Schüssel tritt auf, die Plantagenbesitzerin wird versehentlich getötet und eine versuchte Revolution endet in Ratlosigkeit. Da kommen die Spatzen in den Bäumen mit einem unerhörten Plan…

Island of the Hungry Ghosts

Die australische Weihnachtsinsel liegt vor der Küste Indonesiens und ist von Wanderkrabben bevölkert, die in einer Migrationsbewegung, die seit hunderttausenden von Jahren vom Vollmond ausgelöst wird, zu Millionen aus dem Dschungel zum Ozean aufbrechen. Poh Lin ist Traumatherapeutin und lebt mit ihrer Familie auf dieser Insel mit ihren unwirtlichen, wilden Landschaften — einem der letzten Orte, die auf der Erde entdeckt wurden. Jeden Tag spricht sie mit Asylsuchenden, die auf unbestimmte Zeit in einem Hochsicherheitslager festgehalten werden, und versucht unermüdlich, ihnen ihre unerträgliche Situation mit ungewissem Ausgang etwas erträglicher zu machen. Durch die Gegenüberstellung von natürlicher Migration und der chaotischen und tragischen Migration der Menschen, die den ständigen Veränderungen der Entscheidungsstrukturen unterliegt, gelingt es Gabrielle Brady ohne Zweifel, ein Problem anzusprechen, das weit über den Mikrokosmos dieses Films hinausgeht. Island of the Hungry Ghosts erinnert an einen Spielfilm, die Eloquenz des Werks beruht im Besonderen auf einem geschickten Aufbau und den mit grösstem Feingefühl ausgewählten Einstellungen.

Schnee von gestern

Die Geschwister Michla und Feiv’ke sind die einzigen Überlebenden der jüdischen Familie Schwarz aus Wilna. Nach dem Krieg verpassen sie sich am Bahnhof im polnischen Lodsch (Łódź). Jeder denkt, dass er der einzige Überlebende der Familie ist. Beide ziehen einen Strich unter ihre bisherigen Biographien, entscheiden sich für das Leben und gründen eigene Familien. Feiv‘ke unter dem Namen Peter Schwarz in Deutschland ausgerechnet in dem Ort in dem er im Arbeitslager war und seine Schwester Michla in Israel.

Ihren Kindern und Enkeln aber lässt das verpatzte Treffen keine Ruhe.
Möglicherweise ist es wahr, dass Dinge sich an nur einem Tag entscheiden können, dass eine verlorengegangene Botschaft im Jahre 1945 zwischen einem Bruder und seiner Schwester das Leben vieler beeinflussen kann, über Jahrzehnte hinweg.

SCHNEE VON GESTERN ist ein epischer Dokumentarfilm von der jungen Filmemacherin Yael Reuveny über Familiengeschichten, die vererbt werden wie die Farbe der Augen. Eine persönliche Reise zwischen Israel und Deutschland.

Balagan

Ein Film über drei israelische Schauspieler – den Palästinenser Khaled, den Juden Mahdi und Moni, einen praktizierenden Orthodoxen – deren Zusammenarbeit nicht selbstverständlich ist. Die Schauspieler haben aus ihren Erfahrungen das fünfstündige Theaterstück „Arbeit macht frei“ entwickelt, das in Israel begeistert gefeiert und zugleich wegen angeblicher Nestbeschmutzung heftig kritisiert wurde. Mit deutlichen überrealen Bildern stellen sie sich ihrer Geschichte – bis zur Schmerzgrenze.

Suspiria

Suzy, eine junge Amerikanerin, kommt nach Freiburg, um an einer angesehenen Tanzakademie zu studieren. Gerade angekommen, überrascht sie plötzlich die seltsame und beunruhigende Atmosphäre des Ortes. In derselben Nacht wird ein Mädchen der Schule ermordet. Ein Schock für Suzy, und schon bald darauf wird sie krank. Der Aufenthalt an der Schule entwickelt sich zu einem Alptraum, der immer schlimmer wird.

Don Camillo und Peppone

Eine kleine Stadt in der Emilia Romagna, im Norden Italiens, am Ufer des Po. Soeben hat der Kommunist Peppone die Wahl zum Bürgermeister gewonnen. Schon bald gerät er in Konflikt mit dem anderen Repräsentanten der Öffentlichkeit, Dorfpfarrer Don Camillo. Einig sind sich die beiden nur, wenn es um konkrete, persönliche Hilfe geht. Ein verzweifeltes Liebespaar, das sich in den Fluten des Pos ertränken will, retten sie daher gemeinsam. Ansonsten bleibt es offiziell beim Streit. Als der impulsive Übereifer Don Camillos eines Tages selbst seinen Vorgesetzten zu viel wird, wird er in eine kleine Berggemeinde strafversetzt. Seine Hoffnung, die Schäfchen der Gemeinde noch einmal auf dem Bahnhof zum Abschied zu sehen, vereitelt ein Verbot Peppones. Er hat den Dorfbewohnern die Teilnahme an der Verabschiedung untersagt. Traurig fährt Don Camillo aus der Stadt und findet – ein paar Stationen weiter – seine alte Gemeinde auf dem Bahnsteig. Er wird gebeten, mit seiner Rückkehr nicht lange auf sich warten zu lassen …

Grizzly Man

Der Dokumentarfilmer Werner Herzog porträtiert in seinem preisgekrönten Film Grizzly Man einen Mann, der sein Leben ohne Furcht den Grizzlybären widmete, um sie zu schützen. Aber auch, um vor seinen eigenen Unzulänglichkeiten in der realen Welt zu flüchten. Es ist die Geschichte von Timothy Treadwell. Gescheiterter Schauspieler und ambitionierter Tierschützer, der bis zu seinem Tod 13 Sommermonate im natürlichen Lebensraum der Grizzlybären Alaskas verbrachte. Neben Interviews mit Personen seines Umfeldes, zeigt Herzog Ausschnitte aus Timothys Videomaterial, das der Bärenmann über fünf Jahre lang bei den Grizzlys drehte. Starring: Timothy selbst, als Jüngling der Wildnis.

Die Taube auf dem Dach

Auf einer Baustelle im Süden der DDR, wo Tausende von Wohnungen in moderner Plattenbauweise entstehen, lernt die aus Mecklenburg stammende, junge und unverheiratete Bauleiterin Linda Hinrichs zwei Männer näher kennen: Zum einen den Studenten Daniel, dessen Spontanität ihr gefällt; während eines Tanzabends bittet er zum Beispiel um Spenden für Vietnam und schlägt auch schon mal zu, wenn ihm unterstellt wird, er stecke sich das Geld in die eigene Tasche. Zum anderen trifft Linda auf den Baubrigadier Hans Böwe, einen Zugvogel, der schon an vielen Stellen der DDR Neues mit aus dem Boden gestampft, aber nie ein richtiges Zuhause gefunden hat. Böwe macht ihr einen Heiratsantrag – und betrinkt sich, als Linda ihm nicht sofort zustimmt. Wird sie selbst einmal so unseßhaft werden wie er? Und was bedeuten eigentlich so große Worte wie Glück und Geborgenheit in einer durchaus nicht romantischen Realität?